Themen

Selbsthilfegruppen im Glücksspielsuchtbereich

In Selbsthilfegruppen treffen sich Menschen, die ein gleichgelagertes Problem verbindet, mit dem sie sich gemeinsam auseinandersetzen möchten. Es gibt sie zu den unterschiedlichsten Problemlagen und natürlich auch zu Sucht. In den frühen 1980er Jahren wurde die erste Selbsthilfegruppe für Glücksspielerinnen und Glücksspieler gegründet. Heute gibt es praktisch in jeder größeren Stadt eine Selbsthilfegruppe zum Thema Glücksspielsucht. Manche richten sich ausschließlich an glücksspielsüchtige Menschen, andere stehen auch – oder sogar ausschließlich – Angehörigen offen. Bei der Teilnahme geht es vor allem um emotionale Entlastung, praktische Unterstützung und den Austausch über den Umgang mit Belastungen.

KOMMUNIKATION MACHT SELBSTHILFE WIRKSAM

Das Gruppengespräch ermöglicht die Selbstreflexion der Teilnehmenden und internes Probehandeln. Gleichzeitig macht die soziale Interaktion innerhalb der Gruppe es möglich, neue Verhaltensweisen zu testen. Die soziale Isolation, die häufig mit der Glücksspielsucht einhergeht, kann durchbrochen werden. Der Austausch stärkt das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden und hilft ihnen, neue Lebensperspektiven zu entwickeln.

POTENZIAL UND RESSOURCEN

Eine Selbsthilfegruppe vermittelt den Teilnehmenden das Gefühl, auf Augenhöhe mit Menschen zu reden, die ihre individuelle Problematik nachvollziehen können. Das Erleben, mit seinem Problem nicht allein zu sein und auch nach Rückfällen ohne Stigmatisierung in der Gruppe angenommen zu werden, fördert das oft geringe Selbstwertgefühl. Dadurch fällt es vielen Betroffenen leichter, über die eigene Situation zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen. So wird die Selbstreflexion angeregt und im geschützten Raum können neue Impulse aufgenommen und ausprobiert werden. Meistens führt das zu einer starken Verbindung in und mit der Gruppe, die das Sicherheitsgefühl der Teilnehmenden untermauert und einen Gegenpol zu der im Alltag erlebten Unsicherheit bildet.

VERANTWORTUNG ÜBEN – HALT GEBEN

Durch die regelmäßigen Gruppentreffen üben Teilnehmende Verlässlichkeit und sie erleben, dass dies die Voraussetzung ist, um einen vertrauensvollen Umgang sicherzustellen. Eine gute Unterstützung sind für viele auch feste Gruppenregeln und verbindliche Schritte-Programme, wie zum Beispiel von den Anonymen Spielern. Darüber hinaus hat die Gruppe eine warnende und erinnernde Funktion, um Rückfallrisiken früh zu erkennen und zu meiden.

WICHTIG FÜR SELBSTHILFEGRUPPEN

Eine klare Zielsetzung, Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit sowie geeignete Räumlichkeiten sind die Voraussetzungen für eine funktionierende Selbsthilfegruppe. Eine Ansprechperson, die Interessierte informiert oder für Krisengespräche zur Verfügung steht, erleichtert die Abläufe in der Gruppe. Zusätzlich sollten die Gruppenmitglieder zu gegenseitiger Unterstützung bereit sein, an einer zielgerichteten, konstruktiven Kommunikation interessiert sein und alle Teilnehmenden in ihre Gespräche einbeziehen – denn nur so lassen sich neue Mitglieder in die Gruppe integrieren. Für das Sicherheitsgefühl der Teilnehmenden ist die Vertraulichkeit der Sitzungen unabdingbar.

KOOPERATION: ÜBER DEN TELLERRAND SCHAUEN

Die Kooperation mit einer Suchtberatung vor Ort bietet Selbsthilfegruppen zusätzliche Unterstützung. Besonders in schwierigen Situationen können bei einer Kooperation qualifizierte Ansprechpersonen hinzugezogen werden, wodurch die Gruppenleitung entlastet wird. Der Kontakt zu Selbsthilfekontaktstellen vereinfacht organisatorische Abläufe und Verwaltungsaufgaben.  

Damit eine Selbsthilfegruppe über einen langen Zeitraum Bestand hat, ist es wichtig, neue Teilnehmende zu gewinnen. Dafür sind eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit sowie geeignetes Informationsmaterial notwendig.

AN WEN KÖNNEN SICH INTERESSIERTE WENDEN?

Die Landesfachstelle Glücksspielsucht der Suchtkooperation NRW informiert Interessierte und vermittelt Kontaktdaten bestehender Selbsthilfegruppen über die Infoline Glücksspielsucht und die Onlineberatung (beide anonym und kostenfrei):

Hotline Glücksspielsucht: 0800 – 077 66 11
Onlineberatung: www.kohle-weg.de

Darüber hinaus unterstützt die Landesfachstelle Interessierte, die eine Selbsthilfegruppe gründen möchten, mit Informationen und Kontakten.
In der Adressdatenbank der Suchtkooperation NRW [Link zur Adressdatenbank] finden Interessierte Selbsthilfegruppen in ihrer Nähe.

Die Fachstelle Glücksspielsucht in Neuss unterstützt Neugründungen von Selbsthilfegruppen zum Thema Glücksspielsucht und bietet Schulungen für Gruppenleitungen an. Einmal im Jahr lädt sie darüber hinaus zu einem Gruppenleitungstreffen ein:

Fachstelle Glücksspielsucht
Caritas Neuss
Rheydter Str. 176
41464 Neuss
www.spielsucht.net

SPuH – Spielsucht Prävention und Hilfe e. V. – ist ein Zusammenschluss verschiedener Selbsthilfegruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen. SPuH ist Anlaufstelle für jede/n und engagiert sich – auch politisch – rund um das Thema Glücksspielsucht:

SPuH NRW e.V.
Hochstr. 84
59192 Bergkamen
https://spuh.de

Quellen

Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW (2020). Selbsthilfegruppen für Glücksspielsüchtige und Angehörige. Gründung, Organisation, Prozesse. An dieser Stelle kann der Link zur Broschüre eingefügt werden – Broschüre ist gerade in der Überarbeitung.

Weitere Informationen: www.gluecksspielsucht-nrw.de