Themen

Niedrigschwellige Suchthilfe

Das Suchthilfeangebot umfasst auch niedrigschwellige Angebote wie Kontakt- und Begegnungsstätten, Drogenkonsumräume und Notschlafstellen. Zielsetzung der niedrigschwelligen Angebote sind Gesundheits-, Überleben- und Ausstiegshilfen für Drogenabhängige.
Bei substanzabhängigen Menschen kann durch das Angebot der niedrigschwelligen Suchthilfeangebote die Behandlungsbereitschaft gesteigert und durch die Vermittlung in weiterführende Hilfen, der Ausstieg aus der Sucht gefördert werden.

Harm Reduction

Harm Reduction bezieht sich auf Maßnahmen, Programme und Praktiken, die in erster Linie darauf abzielen, die negativen gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Konsequenzen des Gebrauches von legalen und illegalen Drogen zu reduzieren, ohne dabei zwangsläufig das Ziel einer Reduzierung des Drogenkonsums zu verfolgen. Harm Reduction hilft Menschen, die Drogen konsumieren, aber auch deren Familien und dem Gemeinwesen.

Angebote, welche unter den harm-Reduction-Ansatz fallen, sind beispielsweise safer-use –Beratung, Spritzentausch und ‑automaten, Drogenkonsumräume (bitte verlinken), Substitutionsbehandlungen oder Naloxon-Gabe. Die Art von Angeboten dient zum einen einer Senkung der hohen Schwelle zur Suchthilfe oder Informationsbeschaffung, zum anderen um die Senkung der gesundheitlichen Risiken, die mit Substanzkonsum verbunden sind.

Der Beirat der Suchtkooperation NRW hat gemeinsam mit der AG Aidsprävention NRW eine Empfehlung zur Schadensminimierung für Menschen in Nordrhein-Westfalen, die illegale psychoaktive Substanzen konsumieren verabschiedet, die hier einzusehen ist.

Substitutionsbehandlung

Bei der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger wird ein Ersatzstoff, meist Methadon, verabreicht. Dadurch soll die Möglichkeit einer gesundheitlichen und sozialen Stabilisierung sowie einer beruflichen Integration geschaffen werden. Die überwiegende Zahl der Substituierten wird ambulant von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten oder in speziellen Ambulanzen behandelt. Die Behandlung umfasst u.a. eine psychosoziale Begleitung. Substitutionsbehandlung richtet sich vor allem an langjährige Opioidabhängige, die in traditionellen Therapien gescheitert sind. Des Weiteren richtet sie sich an Opioidabhängige, die keine abstinenzorientierte Behandlung durchführen können sowie an solche, die eine zusätzliche schwere Erkrankung haben oder schwanger sind bzw. bereits Kinder haben.

Drogenkonsumräume in NRW

In Nordrhein-Westfalen existieren derzeit insgesamt elf Drogenkonsumräume (www.drogenkonsumraum.net). Die Angebote des kontrollierten Konsums in den in NRW zugelassenen Drogenkonsumräumen dienen der Gesundheits-, Überlebens- und Ausstiegshilfe. So werden durch den Drogenkonsum bedingte Gesundheitsgefahren gesenkt, mit dem Ziel, das Überleben von Abhängigen zu sichern. Daher stellen die evidenzbasierten Angebote der Drogenkonsumräume eine sinnvolle Ergänzung des bestehenden Drogenhilfesystems dar. Neben dem positiven Aspekt für die Abhängigen haben Drogenkonsumräume auch einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag. Die Belastung der Öffentlichkeit durch konsumbezogene Verhaltensweisen im öffentlichen Raum wird durch die Nutzung der Drogenkonsumräume deutlich reduziert. Somit haben die Drogenkonsumräume über ihr Angebot der individuellen Hilfen auch eine wichtige Funktion in der Ordnungspolitik.

 

Zur Evaluation der Ziele und Arbeit der Drogenkonsumräume in NRW beteiligen sich alle Drogenkonsumräume an einer landesweiten Datenerhebung und Datenauswertung.

Die Ergebnisse der Datenauswertung werden in einem von der von der Geschäftsstelle der Suchtkooperation NRW verfassten Jahresbericht präsentiert.

Jahresberichte der Arbeit der Drogenkonsumräume in NRW

Häufige Fragen neuer Standorte für Drogenkonsumräume in NRW

  • Da die Nutzerzahlen steigen: weckt das Angebot erst eine Nachfrage?

    Neben gesundheitlichen Zielen werden mit der Einrichtung von Drogenkonsumräumen auch ordnungspolitische Ziele verfolgt. Belastungen der Öffentlichkeit durch sichtbaren Drogenkonsum und Szeneansammlungen sollen reduziert werden.  Somit bewegen sich diese Einrichtungen immer auch im Spannungsfeld zwischen Ordnungspolitik und Hilfe. Wesentlicher Bestandteil der Arbeit in Drogenkonsumräumen ist die Motivation von Drogen gebrauchenden Menschen, entsprechende Hilfen bei drogenbezogenen, gesundheitlichen und sozialen Problemen in Anspruch zu nehmen.

    Der Betrieb von Drogenkonsumräumen soll z.B. auch dazu beitragen, die öffentliche Belastung durch konsumbezogene Verhaltensweisen zu reduzieren. Eine Drogenszene ist letztlich genauso heterogen, wie die Besucherschaft der städtischen Einkaufsmeile. Drogenkonsumräume leisten einen wesentlichen Beitrag bei der Reduzierung von Problemen durch offene Drogenszenen in den Städten. Neben dem individuellen Gesundheitsschutz tragen sie wesentlich dazu bei, die Ausbreitung von infektiösen Krankheiten wie Hepatitis und HIV einzuschränken. An den meisten Drogenkonsumraum-Standorten in NRW werden Menschen ohne Meldeanschrift am Standort des Drogenkonsums abgewiesen. Hierbei handelt es sich in höherer Anzahl um Personen, die zwar tagtäglich die niedrigschwelligen Drogenhilfe-Einrichtungen (Café, Beratung, Drogentherapeutische Ambulanzen) aufsuchen, aufgrund der kommunalen Vorgaben für Drogenkonsumräume (z.B. Zutritt nur mit Wohnortnachweis) jedoch nicht die Konsumräume betreten dürfen. Sucht man mit diesen Personen das Gespräch, wird schnell deutlich, dass bei allen involvierten Personen der Wille und Wunsch bestünde, in den DKR-Räumlichkeiten zu konsumieren. Würde man dies zulassen, wäre dies ein Gewinn für alle Beteiligten - auch für die Kommune und somit für das Umfeld. Die befürchtete Sogwirkung geht nicht vom Drogenkonsumraum aus, sondern von der Drogenszene vor Ort. Aus der Sicht der Suchthilfe würde ein Drogenkonsumraum den Zulauf kanalisieren und die Öffentlichkeit eher entlasten.

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  • Ist eine Gefährdung der Nachbarschaft durch den unmittelbaren Aufenthalt vor der Einrichtung zu erwarten?

    Die im Vorfeld vielfach geäußerten Befürchtungen in den 11 etablierten Drogenkonsumräumen in NRW haben sich Dank der gut funktionierenden Ordnungspartnerschaften nicht bestätigt. Durch eine behutsame Öffentlichkeitsarbeit der Träger ist es zudem weitgehend gelungen, die Akzeptanz vor allem der im Umfeld der Drogenkonsumräume lebenden Bevölkerung zu erhöhen und damit eine gute Basis für den Betrieb der Drogenkonsumräume zu schaffen. Damit die Arbeit und der Nutzen der Drogenkonsumräume auch für Bürger*innen und Geschäftsleute im Umfeld nachvollziehbar werden, ist es ratsam, diese an allen Planungsschritten zu beteiligen. Eine umfassende, informative Öffentlichkeitsarbeit ist von Beginn an und begleitend einzuplanen. Zudem ist eine funktionierende kommunale Netzwerkarbeit mit den Ordnungspartnerschaften, in der Konflikte, Ängste und Sorgen zeitnah aufgegriffen werden können, ein unabdingbarer Bestandteil für einen möglichst reibungslosen Betrieb eines Drogenkonsumraumes. Empfehlenswert ist, besonders bei dieser Fragestellung, auf die Kommunen zuzugehen, die bereits einen Drogenkonsumraum in der Trägerschaft haben, um hier Erfahrungswerte zu teilen.

    Drogenkonsumräume gibt es in NRW bereits in den folgenden Städten:
    Bielefeld, Bochum, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Köln, Münster, Troisdorf, Wuppertal. Wir möchten darauf hinweisen, wie man mit den Widerständen aus dem Umfeld der Konsumräume konstruktiv umgehen kann. Hier bieten sich die Beispiele der Drogenkonsumräume Düsseldorf und Essen an. Beispielsweise gibt es beim Drogenkonsumraum Essen[1] ein konkretes Umfeldmanagement:

    Die Suchthilfe direkt in Essen hat sich in der Vereinbarung über die Zusammenarbeit mit den zuständigen Gesundheits-, Ordnungs- und Strafverfolgungsbehörden nach § 7 der Verordnung über den Betrieb von Drogenkonsumräumen (VO DKR) verpflichtet, im unmittelbaren Umfeld des Drogenkonsumraumes frühzeitig Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu verhindern. Die Leitung der Einrichtung hat die einrichtungsbedingten Auswirkungen auf das unmittelbare räumliche Umfeld zu beobachten und besondere Vorkommnisse zu dokumentieren. Die Kooperation dient vor allem der Prävention von Straftaten. In der Verantwortung des Betreibers des DKR liegt es für Sauberkeit im Außenbereich zu sorgen, Szenebildungen vor der Einrichtung zu verhindern, Kontakt zur Nachbarschaft zu pflegen, strafbare Handlungen nicht zu dulden und wesentliche Verstöße an die Strafverfolgungsbehörden zu melden.

     

    Umfeldreinigung

    • dreimal pro Woche gründliche Reinigung des unmittelbaren Umfeldes durch Klienten sowie Beseitigung des klient*innenspezifischen Mülls im Umfeld;

    • unmittelbare Reinigung bei Beschwerden wegen herumliegender Spritzen;

     

    Kontrollgänge

    • alle Mitarbeiter der Krisenhilfe haben die Anweisung bei Regelverstößen vor dem Hilfezentrum oder auf dem Parkplatz sofort tätig zu werden. Hierbei geht es zumeist um Szeneansammlungen, Kleinhandel mit Drogen und Medikamenten sowie seltener um Prostitution. Über diese Tätigkeit wird keine Statistik geführt.

    • werktäglich bis zu drei Kontrollgänge (vor allem zu den Problembereichen);

    • Gespräch mit den angetroffenen Personen und wenn möglich Motivation zur Nutzung der Angebote des Hilfezentrums.

     

    Beschwerden

    • Information an alle Nachbarn über die Ansprechpartner der Suchthilfe

    • Möglichst zeitnahe Abhilfe/Beseitigung des Beschwerdegrundes

     

    Kontakt Nachbarschaft

    • Besuch aller Firmen und Institutionen im definierten Umfeld

    • Infoblatt an alle Mieter im Umfeld sowie regelmäßiger Kontakt zu den direkten Nachbarn;
      Information zur Suchthilfe direkt und den Aufgaben des Drogenhilfezentrums;

    • Information über die Zugangsvoraussetzungen im DKR;

    • Information zum Beschwerdemanagement und Kontrollgängen;

    • Erläuterungen zum Reinigungsdienst und zum Thema Spritzenentsorgung;

    • Information zum Umgang mit Drogenkonsumenten z.B. bei Konsum, Prostitution;

    • Angebot von Infoveranstaltungen für Mitarbeiter von Firmen und Institutionen sowie Eltern;

    • Vorschläge zu baulichen Veränderungen.

     

    Nach Einschätzung der Geschäftsstelle kann dieses Vorgehen ein gutes Modell bieten und ist als Orientierungshilfe für alle Kommunen, die einen Drogenkonsumraum einrichten möchten, unverzichtbar.

     


    [1]Deutsche AIDS-Hilfe e.V. & akzept e.V. (2011). Drogenkonsumräume in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme des AK Konsumraum. Berlin: Kleinoffsetdruck Dressler.

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  • Warum ist der neue Konsumraum szenenah einzurichten? Wäre es nicht besser, ihn außerhalb der Innenstadt zu platzieren?

    Drogenkonsumräume verfolgen das Ziel der Überlebenshilfe, Gesundheitsförderung/-prophylaxe und Schadensminimierung bei Drogenkonsumierenden. Negative körperliche, psychische und soziale Begleiterscheinungen des Konsums illegaler Drogen sollen abgemildert und weitere Schäden verhindert werden. Die Einrichtung von Drogenkonsumräumen zielt auch auf ordnungspolitische Aspekte. Belastungen der Öffentlichkeit durch sichtbaren Drogenkonsum und Szeneansammlungen sollen reduziert werden. In diesem Sinne gelten die Stadt und die Bürger*innen als Zielgruppe bzw. Auftraggeber. Der öffentliche Raum (i.d.R. die Innenstädte) soll von den Problemen durch sichtbaren Konsum, konsumspezifischen Verunreinigungen (Spritzen etc.) und Szeneansammlungen entlastet werden. Die Verlagerung des Drogenkonsums in eine solche Einrichtung führt, abhängig von dem Umfang der Öffnungszeiten, zu einer Entlastung des öffentlichen Raums. Von zentraler Wichtigkeit ist hier die räumliche Nähe der Einrichtung zur aktuellen Szene, denn lange Wege führen dazu, dass niedrigschwellige Angebote nicht genutzt werden. Niedrigschwelligkeit zeichnet sich an dieser Stelle dadurch aus, dass möglichst geringe Zugangsschwellen für suchtkranke Menschen bestehen. Dort, wo die Probleme sichtbar sind, sollte auch das Hilfeangebot platziert werden. Ein Vorteil ist auch die Entlastung des öffentlichen Raumes: Die im Drogenkonsumraum abgegebenen oder benutzten Konsumutensilien werden direkt und fachgerecht entsorgt. Insofern besteht eine win-win-Situation für Ordnungs- und Gesundheitspolitik gleichermaßen (vgl. Stöver, 2002[1]). Dies begründet wahrscheinlich auch den Erfolg und die Akzeptanz der Einführung von Drogenkonsumräumen in Deutschland.

     


    [1] Stöver, H. (2002). Consumption Rooms: A Middle Ground between Health and Public Order Concerns. In: Böllinger, L. u.a. (Hrsg.). Journal of Drug Issues, Vol. 32, No. 2, Spring 2002, 597-606.

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  • Ist ein integratives Angebot mit Café-Struktur zum Aufenthalt sinnvoller als ein Einzelangebot, also nur den Konsumraum?

    Der Drogenkonsumraum ist ein Baustein des vielfältigen Leistungsspektrums der Kontakt- oder Beratungseinrichtungen der Suchthilfe. Das gesundheitsfördernde und Überleben sichernde Drogenkonsumraumangebot ist Bestandteil basismedizinischer und psychosozialer Versorgung[1]. Er wird fachlich-konzeptionell in die vielfältige Angebotsstruktur der jeweiligen Einrichtung integriert. Die Kontaktläden bieten Angebote zur Überlebenshilfe und Gesundheitsförderung. Drogengebrauchende Menschen nutzen sie als erweiterte Aufenthalts- und Rückzugsmöglichkeit vom Alltag auf der Straße. Neben Spritzentausch, der Vergabe/dem Verkauf von Konsumutensilien und Kondomen, bieten viele Kontaktcafés neben Getränken auch regelmäßig preisgünstig warme Mahlzeiten und/oder kleine Snacks an. Häufig gibt es die Möglichkeit zu duschen, Wäsche zu waschen, oft stehen Kleiderkammern zur Verfügung. Darüber hinaus wird in den Einrichtungen regelmäßig eine (ärztliche) basismedizinische Versorgung angeboten. In einigen Einrichtungen wird sogar ein stetiges Angebot einer pflegerischen Versorgung vorgehalten. Ein Aufgabenschwerpunkt eines integrativen Suchthilfeangebots liegt in der Beratung von drogengebrauchenden Menschen, die ihre Lebenssituation verändern wollen. Sie werden durch die Übernahme in zielorientierte Beratungs- und Betreuungsverhältnisse begleitet und unterstützt. Dazu zählen die Vermittlung in eine Substitutionsbehandlung, sowie in qualifizierte Entgiftungen sowie Entwöhnungstherapie. Die Integration der DKR in die regionalen Drogenhilfestrukturen gewährleistet, dass weiterführende Hilfen zum richtigen Zeitpunkt bereitstehen oder eingeleitet werden können. Der Drogenkonsumraum erfüllt mit seinem niedrigschwelligen und akzeptanzorientierten Konzept somit bei Bedarf eine wichtige Brückenfunktion in weiterführende Angebote gesundheitlicher und psychosozialer Unterstützung.

     


    [1] Deutsche AIDS-Hilfe e.V. & akzept e.V. (2011). Drogenkonsumräume in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme des AK Konsumraum. Berlin: Kleinoffsetdruck Dressler.

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  • Wie ist die Haltung der Suchthilfe gegenüber Überlebenshilfe?

    Drogenkonsumräume retten Menschenleben. Die Zahl der gemeldeten drogenbedingten Todesfälle spielt bei der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Drogenproblems in Deutschland eine große Rolle. Sie wird häufig als Indikator des Erfolgs bzw. des Misserfolgs gesundheitspolitischer Maßnahmen verwendet. Drogenkonsumräume sind i. d. R. integrierte Bestandteile von Kontakt- oder Beratungsangeboten, die zumeist dort platziert sind, wo sich eine Drogenszene in den Städten befindet. Essentieller Bestandteil der Arbeit ist die Motivation Drogen gebrauchender Menschen, entsprechende Hilfen für drogenbezogene, gesundheitliche und soziale Probleme in Anspruch zu nehmen. Die Planung eines integrativen Angebots mit Aufenthaltsmöglichkeit für die suchtkranken Besuchenden wird aus Sicht der Suchthilfe unbedingt befürwortet. Niedrigschwellige Hilfeangebote bzw. Angebote der Überlebenshilfe zeichnen sich dadurch aus, dass sie unbürokratisch und ohne besondere Zugangsvoraussetzungen in Anspruch genommen werden können und meist dort zu finden sind, wo sich die Zielgruppe ebenfalls aufhält. Eine Entlastung des öffentlichen Raumes wäre während der Öffnungszeiten zu erwarten. Nutzenden des Drogenkonsumraums würde durch das Angebot, sich länger in der integrativen Einrichtung aufzuhalten, die Möglichkeit geboten, mehrere Konsumvorgänge unter hygienischen und sicheren Bedingungen durchzuführen. Konsumvorgänge im öffentlichen und privaten Umfeld der Einrichtung würden dadurch verringert.

    Drogenkonsumräume stellen einen geschützten Rahmen zur Kommunikation und zum Beziehungsaufbau dar. Es kommen Kontakte mit den drogengebrauchenden Menschen zustande, die die Möglichkeit des offenen, informellen Gesprächs über persönliche Probleme und Konsumrisiken bieten. Das dabei entwickelte Vertrauen der Besuchenden kann sich auf die gesamte Einrichtung und deren Kooperationspartner*innen übertragen. Hieraus entwickeln sich häufig Beziehungen, die eine Basis darstellen, um langfristig eine passgenaue Vermittlung in weiterführende Hilfsangebote zu ermöglichen. Ein zentrales Ziel der Drogenkonsumräume ist die Vermittlung in weiterführende Hilfen. In 2021 sind insgesamt 11.386 Fälle (Frauen: 1.814 Fälle; Männer: 9.572 Fälle) in weiterführende Hilfeangebote des Drogenhilfesystems vermittelt worden. Es entspricht 2021 einem weiterführenden Hilfeangebot bei etwa jedem 19. Konsumvorgang.

    Die Einbindung der Drogenkonsumräume in das in NRW bestehende differenzierte örtliche Suchthilfesystem ist zu betonen, hier insbesondere die bestehende Nähe zu den drogentherapeutischen Ambulanzen und ihre Aufgaben vor Ort. In der niedrigschwelligen Drogenhilfe ist nicht der Konsumausstieg Ziel der Maßnahmen, sondern u.a., drogenbedingte Notfälle abzuwenden und das Überleben von schwerstdrogenabhängigen Menschen durch sofortige Notfallhilfe zu sichern. Auch die Bedeutung der Vermittlung von drogenabhängigen Menschen in weiterführende Hilfen ist hier wichtig. Die enge Kooperation mit den verschiedenen Hilfeangeboten vor Ort, in den Drogenkonsumräumen gewährleistet durch die unverzügliche ärztliche Hilfe und Beratung, ist ein wesentlicher Hilfeansatz der Überlebenshilfen.

    Ein großer Erfolg der Drogenkonsumräume ist, dass hierbei auch drogengebrauchende Menschen erreicht werden, die keinen Kontakt (mehr) zum Hilfesystem haben.

  • Wie sollte man die Öffnungszeiten planen?

    Kontinuierliche und regelmäßige Öffnungszeiten des Drogenkonsumraums bieten die Möglichkeit, dass drogenkonsumierende Menschen ihre Substanzen geschützt und unter hygienischen Bedingungen konsumieren können. Zum einen ist dies für die suchtkranken Menschen ein sicheres und hilfreiches Hilfsangebot, zum anderen ist eine Entlastung des öffentlichen Raumes ist während der Öffnungszeiten zu erwarten. Nach Schließung der Einrichtung stehen den drogengebrauchenden Menschen die Hilfs- und Beratungsangebote des Drogenkonsumraums nicht mehr zur Verfügung. Insbesondere können die Mitarbeitenden keine Nothilfe leisten. Eine Konsequenz daraus ist, dass sich drogenkonsumierende Menschen nach der Schließung in das nähere Umfeld zurückziehen und ihre Drogen in Hauseingängen, Tiefgaragen, Seitenstraßen und U-Bahnbereichen konsumieren - mit allen daraus resultierenden Folgen und Beschwerden. Zudem muss festgehalten werden, dass die konkrete Reduktion von öffentlichen Belastungen durch konsumbezogene Verhaltensweisen eines der ausgewiesenen Ziele bei der Unterhaltung von Konsumräumen im Innenstadtbereich ist. Um sie stärker zu realisieren, braucht es ein kontinuierlich nutzbares Angebot für Suchtkranke, um auf diese Weise den Interesselagen aller Beteiligten entgegenzukommen.

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  • Warum ist eine Fachbesetzung unbedingt notwendig?

    In der Verordnung über den Betrieb von Drogenkonsumräumen NRW wird in §10 festgeschrieben, dass „während der Öffnungszeiten die ständige Anwesenheit von ausreichendem Fachpersonal zu gewährleisten ist. Die in der Erlaubnis festgelegte Zahl und die Qualifikation der für die Betreuung der Drogenkonsumentinnen und -konsumenten erforderlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darf nicht unterschritten werden.“ Der Konsum wird durch Fachpersonal überwacht. In den meisten Drogenkonsumräumen befindet sich mindestens ein Mitarbeiter direkt im Konsumraum. So besteht die Möglichkeit der direkten Ansprache, Einleitung von Notfallmaßnahmen und Safer-Use-Beratung. Der Handel und die Abgabe von Substanzen werden durch die Mitarbeitenden verhindert. Auf die Interdisziplinarität des Personals wird in hohem Maße geachtet. In den Drogenkonsumräumen stehen Mitarbeiter mit medizinisch-pflegerischer und/oder pädagogischer Qualifikation zur Verfügung. Sie werden unterstützt durch fortgebildete Hilfs-/Honorarkräfte. Die Tätigkeiten der Mitarbeitenden sind im Wesentlichen Kontaktarbeit, Ausgabe der Materialien, Aufsicht über den Betriebsablauf, Safer-Use-Beratungen, Kriseninterventionen, Erste Hilfe bei Überdosierungen und deren Prävention, suchtspezifische Beratung oder erforderliche Vermittlung in weiterführende Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten.[1] Zum Erfolg der Drogenkonsumräume in Nordrhein-Westfalen trägt nicht zuletzt die engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Drogenkonsumräume entscheidend bei. Die Geschäftsstelle der Suchtkooperation NRW ist ständiger Gast im Arbeitskreis der Drogenkonsumräume NRW, die Kolleg*innen der jeweiligen Standorte sind mit sehr großem Engagement bei der Sache und vernetzen sich untereinander für alle möglichen besonderen Herausforderungen. Auch sind sie auf Bundesebene bestens vernetzt. Alle Drogenkonsumräume halten überdies für ihre Mitarbeitenden Schutz- und Sicherheitskonzepte vor, wie in der niedrigschwelligen Suchthilfe üblich. Durch die interdisziplinäre personelle Besetzung (stets pädagogische Fachkräfte und medizinische Fachkräfte gleichzeitig im Dienst) sind auch medizinische Herausforderungen bestens konzeptionell und mitgroßer Professionalität abgedeckt.

     


    [1] Deutsche AIDS-Hilfe e.V. & akzept e.V. (2011). Drogenkonsumräume in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme des AK Konsumraum. Berlin: Kleinoffsetdruck Dressler.

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  • Ist die Einrichtung von Drogenkonsumräumen im Sinne der Politik, z.B. des Bundesgesundheitsministeriums?

    Die Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung verfolgt einen integrativen Ansatz der Suchtpolitik und umfasst die vier Säulen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensreduzierung sowie Angebotsreduzierung und Strafverfolgung. Deutschland verfügt auf dem Gebiet der schadensreduzierenden Maßnahmen über ein sehr vielfältiges Drogenhilfesystem, das von Drogenkonsumräumen und Kontaktläden über Spritzentausch bis hin zur Substitution reicht. Angesichts der hohen Prävalenz in der Gruppe der Opiatabhängigen wird z.B. die Umsetzung effektiver Maßnahmen der Hepatitis-C-Prävention in diesem Bereich auch weiterhin als dringend erforderlich eingeschätzt[1].

     


    [1] Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2012). Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik. Enka-Druck: Berlin. https://www.bzga.de/fileadmin/user_upload/PDF/themenschwerpunkte/suchtpraevention/nationale_strategie--ceaa500ac6ecbc9bd53a8647d362d7b0.pdf

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  • Auftrag soziale und Gesundheitshilfe: kann man quantifizieren, ob und inwieweit das Angebot der Konsumräume inkl. Beratung und Hilfe die Gesundheit der Nutzer verbessert hat?

    Drogenkonsumräume dienen der Gesundheits-, Überlebens- und Ausstiegshilfe durch die

    • Senkung der durch Drogenkonsum bedingten Gesundheitsgefahren
    • Wecken der Behandlungsbereitschaft der Drogenabhängigen
    • Förderung der Inanspruchnahme weiterführender, insbesondere suchttherapeutischer Hilfen einschließlich der vertragsärztlichen Versorgungsangebote
    • Reduktion der Belastungen der Öffentlichkeit durch konsumbezogene Verhaltensweisen

    Der Drogenkonsumraum ist ein Baustein im vielfältigen Leistungsspektrum der Kontakt- oder Beratungseinrichtungen der Drogen- und AIDS-Hilfe. Das gesundheitsfördernde und Überleben sichernde Drogenkonsumraumangebot ist Bestandteil basismedizinischer und psychosozialer Versorgung. Er wird fachlich-konzeptionell in die Angebotsstruktur der jeweiligen Einrichtung integriert.

    Auch wenn keine Personenzahlen gezählt werden, so bemerkt man doch, dass die Konsumvorgänge der „älteren“ Nutzer*innen der Drogenkonsumräume im Dokumentationsverlauf der statistischen Berichterstattungen kontinuierlich zunehmen. Dies ist auch als ein erfolgreiches Ergebnis der Gesundheits- und Überlebenshilfen zu bewerten.

    Ein zentrales Ziel der Drogenkonsumräume ist die Vermittlung in weiterführende Hilfen. In 2019 wurden 18.264 Fälle (Frauen: 4.240 Fälle; Männer: 14.024 Fälle) in weiterführende Hilfeangebote des Drogenhilfesystems vermittelt, das entspricht etwa jedem 16. Konsumvorgang. Die Anzahl der Vermittlungen ist seit mehreren Jahren etwa gleichgeblieben. Die Vermittlung in Drogentherapeutische Ambulanzen sowie in soziale Hilfen, wie Notschlafstellen, waren bei beiden Geschlechtern die häufigste Vermittlungsform. Auch der Anteil von auftretenden Drogennotfällen war 2019 mit 0,1% der gesamten Konsumvorgänge im Vergleich zu den Vorjahren weiterhin leicht rückläufig. Die direkte Notfallversorgung spielt hinsichtlich der Verbesserung der Gesamtsituation der konsumierenden Zielgruppe ebenfalls eine wichtige Rolle.

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