Das Genfer Universitätsspital bereitet sich darauf vor, Kokain auf Rezept zu verschreiben beziehungsweise vor Ort in die rauchbare Freebase-Form umzuwandeln und zu verabreichen. Das ist eine pharmazeutische Lösung für das schwer zu bewältigende Problem der Crack-Abhängigkeit und ein Novum in der Weltgeschichte der Drogen und des Umgangs mit Sucht. Der Projektleiter Daniele Zullino, Leiter der Genfer Suchtpsychiatrie und seit drei Jahrzehnten auf dem Gebiet der Suchtmedizin tätig, wo er seit zwanzig Jahren die lokale Heroinabgabe leitet:
„Die rechtlichen Voraussetzungen sind erfüllt, die Substanz ist vorhanden“, sagt Zullino im Gespräch. „Was noch fehlt, sind geeignete Räume: ein Inhalationsraum, ein Raucherzimmer, eine ausreichende Belüftung. Der Beginn ist in den nächsten Monaten geplant.“ Wo diese Räume entstehen, das sei klar: Das Programm, das Teil einer umfassenden Strategie der Genfer Regierung gegen die Crack-Epidemie in der Stadt ist, wird in denselben Räumen des Universitätspitals stattfinden, in denen bereits die heroingestützte Behandlung läuft.
Zullino legt Wert auf die Begrifflichkeit, weil sie politisch und rechtlich entscheidend ist: „Es geht nicht um die Abgabe einer Droge, sondern um ihre ärztliche Verschreibung“ – also um Therapie, nicht um Konsum. Es sei demnach „kein Konsumraum“, also „keine Kontakt- und Anlaufstelle“, sondern ein „Therapieraum“. Und die Zielgruppe sind natürlich nicht Wochenend-Hedonist*innen mit der Fähigkeit, Kokainkonsum auf Vernissagen als Networking zu verbuchen, sondern jene Menschen, deren Lebenslauf auf der Straße endet.
Quelle und weitere Infos: https://nrw.aidshilfe.de/aktuelles/detail/genf-verschreibt-kokain-gegen-die-crack-krise